Spitzenpolitiker bei Kammern in Hessen

Gröhe und Bouffier unterstreichen Bedeutung des Ehrenamtes - für Gesellschaft und Selbstverwaltung der Wirtschaft

Frankfurt, 9. Juni 2017. In der Wiesbadener Casino-Gesellschaft fand die 4. Gemeinschafts­veranstaltung der 15 Kammerorganisationen in Hessen statt. Vor rund 130 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und den Medien widmeten sich Referenten und Podiumsteilnehmer der Frage, ob das Ehrenamt als Kernstück der Selbstverwaltung der Wirtschaft und der Freien Berufe noch zeitgemäß sei.

Diese Frage wurde - so das Fazit des Zusammentreffens - mit Nachdruck bejaht. Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier stellte in seinem Grußwort nicht allein die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements als solchem heraus, sondern er betonte auch die bundesweit einzigartige Zusammenarbeit der Kammern in Hessen und die wichtige Rolle der vom Ehrenamt getragenen Kammerorganisationen an der Schnittstelle von Politik, Wirtschaft und gesellschaftlichem Zusammen­leben. „Die Kammern sind unsere vielfältigen Partner nicht nur für die Politik, sondern auch für die Gesellschaft. Ihre Arbeit zeichnet sich durch Dynamik, Sachkunde und Praxisnähe aus“, so Ministerpräsident Bouffier. Für den Ministerpräsidenten war klar: „Ohne das Ehrenamt kann es keine Kammern geben.“ Wie auch die Politik steht die Selbstverwaltung der Wirtschaft vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen, deshalb würdigte er insbesondere das Engagement der Kammern bei der Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit.

Auch der anschließende Impulsvortrag des Bundesministers für Gesundheit Hermann Gröhe war ein klares Plädoyer für den Wert des Ehrenamtes. Gröhe widmete sich dabei nicht allein der spezifischen Form des Ehrenamtes in den Kammern, sondern begann seinen Bogenschlag beim Miteinander in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft. „Wie geht man mit den Nachbarn um? Dort beginnt die richtige Einstellung zum Ehrenamt“, so Gröhe. Ehrenamtliches Engagement greife dort, wo das alleinige Handeln des Staates nicht hinreiche.  „Die Leistungsangebote unseres gut ausgebauten Staatswesens reichen nicht aus. Wir brauchen dafür auch das Ehrenamt.“ Die Kammern spielen für den Bundesminister eine „starke Rolle“, dort wird Ehrenamt überzeugend gelebt.

Der Präsident der Rechtsanwaltskammer Frankfurt am Main, Dr. Michael Griem, nutzte die Gelegenheit als Vertreter der gastgebenden hessischen Kammerorganisationen, um einen Appell an die anwesenden politischen Entscheider zu richten. Kammern seien in der Erfüllung ihrer Aufgaben meist schneller, flexibler und näher an der Sache als der Staat, den sie damit entlasten. Wirtschaft und freie Berufe verwalten sich selbst. Die Politik dürfe nicht zulassen, dass Strukturen von solcher Bedeutung für wirtschaftliche Prosperität und gesellschaftlichen Zusammenhalt von Außen infrage gestellt werden. Hier spielte Dr. Griem auf aktuelle Vorstöße aus Brüssel, wie die Transparenzinitiative oder das Dienstleistungspaket, an. Institutionen wie die Kammern seien Garanten hoher Qualität bei Dienstleistungen und effektive und effiziente Sachwalter, nicht etwa ein Handelshemmnis.

In der anschließenden, von Daniel Schleidt (Frankfurter Allgemeine Zeitung) moderierten Podiumsdiskussion stellten Marlene Haas, Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, und Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. e.h. Udo F. Meißner, Präsident der Ingenieurkammer Hessen, am Beispiel ihres persönliches Werdegangs dar, wie sie zum Ehrenamt kamen und wie groß für sie die Motivation war, für Mitglieder ihres Berufsstandes und ihrer Wirtschaftsbranche Interessensvertreter zu werden. „Betroffene werden in Kammern zu Beteiligten“, so beide unisono. Für das breite bürgerschaftliche Engagement in Hessen standen Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt, und Stephan Würz, Geschäftsführer der LandesEhrenamtsagentur Hessen. Sie machten die Unterschiede zwischen dem breit gefächerten Ehrenamt in Initiativen sowie Vereinen, aktuell auch in der Flüchtlingshilfe, und dem Ehrenamt in Kammern deutlich. Beide beschrieben aber auch die Gemeinsamkeit in der Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren: das eigene Interesse mit dem Interesse einer Gruppe zu verbinden, Freude im Miteinander und im Erfolg zu finden und dem Gemeinwohl gleichzeitig zu dienen.

Alle Podiumsteilnehmer und auch die Referenten der Veranstaltung beschrieben deutlich einen Punkt: Betrachtet man die Strukturen der Kammerorganisationen genauer, so zeigt sich, dass ehrenamtliches Engagement nicht nur auf der Ebene des Vorstandes zu finden ist. Vielmehr ist die Arbeit der Kammern durch ein überaus breit aufgestelltes Ehrenamt getragen, dass seinen persönlichen Einsatz, seine fachliche Expertise und seine politische Überzeugung in überregionale und regionale Gremien und Ausschüsse zu allen Bereichen des gesetzlich verankerten Auftrags der Kammern einbringt. Außergerichtliche Streitbeilegung, Ausbildung und Fachkräftenachwuchs, Verbraucherschutz und Qualitätssicherung durch kontinuierliche Fort- und Weiterbildung sind nur einige der vielen Aufgabenfelder, die durch viele Tausend Ehrenamtsträger der Kammern erfüllt werden.

Die 15 Kammerorganisationen in Hessen stehen für das Prinzip der Selbstverwaltung der Wirtschaft und der Freien Berufe. Alle Kammern dienen dem Gemeinwohl und sind Dienstleister und Interessens­vertreter für ihre Mitglieder und damit auch Ansprechpartner der Politik. Sie repräsentieren mehr als 400.000 Unternehmen und rund 100.000 freiberuflich Tätige. Rund 2,4 Millionen Menschen finden in Unternehmen der hessischen Wirtschaft und bei Freiberuflern Arbeit, über 100.000 junge Menschen finden als Auszubildende eine berufliche Perspektive.  Informationen über die 15 Kammerorganisationen und die Broschüre „Freiheit in Verantwortung“ zum Selbstverständnis der hessischen Kammern zum Download bietet die Internetseite www.kammern-in-hessen.de. Rückfragen und weitere Fotos unter info@kammern-in-hessen.de.

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